Sasa Hanten
Talent zum Glück. Roman

Eby war müde vom Weinen, vom Händeschütteln, vom Stehen, vom Reden, vom Blick in die vielen Gesichter. Er zog die Tür hin­ter sich zu und warf sich, so wie er war, den dicken Umschlag mit der Trauerpost unterm Arm, aufs Bett. Das nächtliche Herumziehen mit dem Rest vom Fest hatte alles ein wenig besser gemacht. Aber jetzt kam die Erschöpfung mit voller Wucht. Er fasste sich an sei­nen unteren Rücken und versuchte den Schmerz, der sich wie eine Entzündung anfühlte, zu zerrreiben.

Eby betrachtete sich im Spiegel am Kleiderschrank gegenüber. Er wackelte mit den Fußspitzen. »Ich hab noch Sand an den Schu­hen von Melaten«, sang er ohne rechte Melodie. Er versuchte ein Lächeln. Bei seinem Vater hatte das auch in den späten Stadien der Demenz noch gut funktioniert: Eby gab eine Stimmung vor, und der Kranke übernahm. Der Spiegel war nicht derartig manipulier­bar. Er zeigte einen tristen, übernächtigten Mann.

Ich bin noch nicht einmal in den besten Jahren, wie man so sagt, dachte er, aber man sieht schon den alten Mann in diesem Blick.

Wie einen Fremden analysierte er sich im schwarzen Sommer­mantel über dem Anzug, das weiße Hemd ein bisschen knittrig, die schwarze Krawatte halb gelockert. Unter den wasserblauen Augen zeichneten sich Tränensäcke ab, und in den Augenwinkeln ging die Schraffur nach dem Lachen seit Kurzem nicht mehr vollständig zu­rück. Aber immerhin waren da die Haare der männlichen Tuschs, die allenfalls zu einem Gemisch von Pfeffer und Salz wurden, aber nie wirklich weiß, und vor allem würden sie ihm bleiben. Alles gut, Eby, versuchte er sich zu trösten, alles wird gut. Be­stimmt. Das Schlimmste ist vorbei.





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