Mirthe van Doornik
Uns Zusammenhalten. Roman
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann

1

Weil wir Kinder sind, denken die Leute, sie könnten einfach alles zu uns sagen. Wie es früher war, dass man nicht am Bahnsteigrand stehen soll, wir ihren Hund ruhig streicheln dürfen. Aber dass wir mit einer Fremden mitgehen sollen, zu ihr nach Hause, so was hatten wir noch nicht gehört.

Die Frau nahm etwas schräg Kurs auf uns, als hätte sie zunächst zehn Runden gedreht und uns dann erst bemerkt.

„Du hast so schöne Zöpfe“, sagt sie, als sie vor mir steht. „Wo geht ihr denn hin?“ Die dicken Brillengläser vergrößern ihre Augen so stark, dass sie wie ein Koboldmaki aussieht. Ich sehe mir ihre Hände an. Koboldmakis haben lange Finger, ein bisschen wie ET, mit kleinen Polstern an den Spitzen, aber die Fingerspitzen dieser Frau sieht man nicht, weil sie eine Einkaufstasche umklammern.

„Kommt mit zu mir“, sagt die Frau, als die Metro aus dem Tunnel donnert. „Vier Haltestellen, dann sind wir schon da.“

Das ist nicht in Ordnung, das sehe ich auch an Nicos Blick. Zum Glück weiß sie immer, was zu tun ist. Mit einem leichten Nicken gibt sie mir das Zeichen, das wir uns sonst immer geben, wenn ein Kontrolleur kommt. Ich weiß, was sie meint.


https://www.haymonverlag.at/produkt/8126/uns-zusammenhalten/

zurück