Max Winter
Matters II


Alles sei wie immer gewesen.

Sie habe, wie an anderen Tagen auch, den Zeigefinger auf den Schalter gelegt und der Screen habe zu leuchten begonnen.

Sie habe, wie an anderen Tagen auch, eine Dose Bier geöffnet und sich auf das Sofa gesetzt.

Das Erleben des ganz einfachen Sachverhalts, des lautlosen Verstreichens dieses beinahe täglich wiederkehrenden Geschehens (von nichts) und die Tatsache, dass dies wie von selbst immer wieder auf sie zukomme und ihr Leben dabei einfach verstreiche, bedeutungslos und somit in Schmerzlosigkeit schmerzhaft verstreiche, ohne eine ersichtliche Möglichkeit und einen ebenso ersichtlichen Grund (mit Ausnahme des schmerzbefreiten Verstreichens ihrer Lebenszeit) zur Änderung, so Matters, verkläre ihr letztlich alles.

Sie habe sich immer wieder gefragt, ob ihr kalt sei, und habe sich damit beruhigt, dass es im Zimmer warm sei.

Dann habe sie getrunken.

Sie habe sich gefragt, ob sie Hunger habe, und habe sich beruhigt, dass sie satt sei und der Kühlschrank gefüllt.

Sie habe getrunken und sich gefragt, ob sie es hier unbequem habe, und sich damit beruhigt, dass es doch sehr weich und angenehm auf diesem Sofa sei.

Von der zunächst nur leichten, dann aber immer wieder, wenn auch jeweils nur für kurze Zeit, an die Grenze des Aushaltbaren gehenden Störung des Wohlbefindens ohne erkennbaren Grund habe sich ihr irgendwann alles und mit einem Mal zur völligen Unerträglichkeit gewandelt, vermerkt Heinzel.

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