Marie Luise Knott
370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive
Hannah Arendt und Ralph Ellison

 

 

Prolog

 

Es war Barney Josephson, Sohn jüdisch-lettischer Immigranten, der Ende 1938 in New York, genauer in Greenwich Village, mit dem Café Society den ersten nichtsegregierten Musik-Club der Stadt begründete. Er war Jazzfan und hatte, wie er später berichtet, bei einem Besuch im Harlemer Cotton Club erschrocken miterlebt, wie den Schwarzen selbst im eigenen Viertel nur die hinteren Stehplätze des Zuschauerraumes zur Verfügung standen, obwohl ihre Leute auf der Bühne sangen. In anderen Clubs, wie etwa im Kit Kat waren Schwarze als Besucher nicht einmal zugelassen. So gründete er einen Club für Menschen aller Hautfarben; einen, wo nirgends »For whites only« stand, nicht an den Bühneneingängen, nicht auf den Toiletten und nicht neben den Zuhörerreihen.

Barney Josephsons Eltern waren um die Jahrhundertwende aus dem Osteuropa der Judenpogrome in die USA geflohen, ebenso die Eltern von Abel Meeropol, einem Lehrer, Kommunisten und Songschreiber. Meeropol verfasste im Jahr 1937, unter dem Schock von Fotografien gelynchter Schwarzer und wahrscheinlich auch mit den Pogromerzählungen seiner russischen Eltern im Hinterkopf, Text und Melodie des Songs »Strange fruit«:

Southern trees bear a strange fruit, 
Blood on the leaves and blood at the root, 
Black body swinging in the Southern breeze, 
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Pastoral scene of the gallant South
The bulging eyes and the twisted mouth
Scent of magnolia, sweet and fresh
Then the sudden smell of burning flesh.

Here is a fruit for the crows to pluck
For the rain to gather, for the wind to suck
For the sun to rot, for the tree to drop
Here is a strange and bitter crop.


https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/370-riverside-drive-730-riverside-drive.html?lid=2

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