Kathrin Massar
"Fast frei zu sein ist doch etwas Herrliches."
Die Geschichte von Ursel Bud in französischer Internierung

Als Ursel Bud am frühen Morgen des 16. Oktober 1939 in Paris von zwei Polizisten aus ihrer Wohnung geführt wurde, trug sie nur ihre Handtasche bei sich, darin steckten ihr deutscher Reisepass, ihre französischen Aufenthaltspapiere und etwas Geld. Sie ahnte vielleicht, dass der Krieg ihr Leben, sechs Jahre nach ihrer Emigration aus Deutschland, erneut in eine andere Richtung werfen würde. Dass dies in jenem Moment geschah, wusste sie wohl nicht.

Auf der Préfecture wollte man sie nicht verhören, nicht zum ungezählten Mal ihre Ausweise überprüfen und sie danach fragen, wie sie ohne Arbeitserlaubnis ihren Lebensunterhalt bestreite. Ursel Bud war verdächtig, die nationale Sicherheit Frankreichs zu gefährden, und die Gesetze erlaubten es, sie abzuschieben oder in einem Lager zu internieren.

Ein Dreivierteljahrhundert später liegt im Archiv einer Hilfsorganisation eine Mappe mit Briefen. „Ursel Bud, Sekretärin, 79 Blatt“, steht auf dem Deckblatt. Die Fallakte ist dicker als die meisten anderen, das weckt meine Neugier.



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