Barbara Zeman
Immerjahn. Roman

Immerjahn rieb sich die Augen, er durfte sie nicht mehr schließen, er musste sich jetzt sofort um jemanden kümmern, der ihm half. Er hatte Polly am Vormittag entlassen. Schenkte seiner
ehemaligen Assistentin, obwohl sie nicht weinte, das Taschentuch, in das seine Großmutter ein schnörkeliges I gestickt hatte, und setzte sich im Salon seines Anwesens zornig an den Computer. Er tat so, als sehe er nicht, wie sie das Taschentuch auf das Bukett aus Rosen, Tulpen und gelber Iris warf, was ihn aber nicht störte, weil es von der gleichen Farbe wie die Blütenblätter der blassen Schwertlilie war, auf der es hängen blieb, die den ganzen Strauß dominierte. Sollte das Taschentuch ruhig in dem Arrangement liegen bleiben, das seine Köchin, Frau Maxim, in einem sich allwöchentlich wiederholenden Wettkampf mit Jan Bruegel dem Älteren anordnete, dessen Blumenstrauß in Tonvase gleich dahinter wie eine Spiegelung an der Wand hing, das Wichtige war, Polly war weg.
Ja, er war erleichtert, aber er fühlte sich auch ein wenig verwirrt. Er hatte nicht vorgehabt, sie zu entlassen, und es war ungewohnt, schon graute ihm, an die Eröffnung zu denken, ohne Polly in die Planung einzubeziehen. Nach dem Mittagessen hatte er das Speisezimmer verlassen, um etwas aus dem ersten Stock zu holen, hatte aber, sobald er dort gewesen war, nicht mehr gewusst, was er tun wollte, und wieder konnte er sie nicht anrufen. Er war dann zuerst durch das Onyx-Badezimmer und das gläserne über den Flur gestreift, war wieder, die Treppen hinunter, in den Salon zurückgekehrt und hatte sich auf den Fauteuil gesetzt, in dem er dann eingeschlafen war.

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