Anna Weidenholzer
Finde einem Schwan ein Boot. Roman

Was dieses Zuhause ist: Es ist ein Raum voller Sätze, die nicht gefallen sind, und es sind drei Bilder, auf dem einen eine Eule, auf den anderen wir beide. Vier Fenster in den Hof, wo an manchen Tagen Wäsche trocknet, aber nur, solange der Schatten des Nachbarhauses nicht auf die Leine trifft. Wir alle wissen: Richter ist schnell darin, ihre Wäsche abzunehmen, und sie ist die Einzige, die den Weg nach unten geht. Sobald der Schatten sich der Leine nähert, steht sie dort mit ihrem Korb, als ob sie die ganze Zeit am Fenster darauf gewartet hätte, dass es endlich dunkler wird. Weiße Wäsche, immer nur weiße, sie hofft, die Sonne brennt den Gelbstich heraus. Es ist der Blick in den Hof, auf die Äste der Trauerweide, die manchmal Vögel tragen und nur selten Schnee. Es ist die Stadt, die noch nie das Meer gesehen hat, und doch unablässig Wasser dorthin weiterschiebt, Wasser, das uns Tag für Tag vor Augen hält: Nur schnell weg von hier. Hier, wo aus den Hochöfen Rauch aufsteigt, wo abends Feuer in den Himmel geblasen wird, hier sind wir.


https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/finde-einem-schwan-ein-boot.html?lid=3 zurück